Der Philosoph I. Kant würde von „selbstverschuldeter Unmündigkeit“ sprechen. Die Gesellschaft ist in weiten Teilen (quer durch alle Schichten!) banal geworden. Das dient den Wirtschaftsinteressen, damit sich der Götze „Wachstum“ vervielfältigen kann, und sei es auf Kosten der Umwelt (ich sage „Schöpfung Gottes“).
Werteverlust?
Werte gehen nicht einfach verloren, sie wandeln sich aber. Und der Wertewandel beinhaltet auch die „Gottvergessenheit“ (wie es mein früherer Fundamentaltheologie-Professor J.B. Metz benannte). Die oberflächliche Religionssozialisation (reine Tradition, statt Inhalt) mündet allenfalls noch in eine gewisse Volksfrömmigkeit, die aber bei den erstbesten Belastungsproben (Tod, schwere Krankheit, Verbrechen) zusammenbricht. „Warum kann Gott das zulassen?“, erschallt es dann.
Die „Spassgesellschaft“ ist m.E. ein Produkt der „68er-Revolte“. Falschverstandene Freiheit äußert sich in Beliebigkeit. Das Abschneiden von guten Traditionen („Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren“; „Religion ist falsches Bewusstsein“) führt letztlich zur Entwurzelung des Menschen. Sinnleere tut sich auf.
Leider verstehen viele meiner Mitchristen nicht, diese Sinnleere positiv und konstruktiv zu füllen, weil sie selbst Schilfrohre im Wind sind (u.a. Opfer der Werbung und der schnöden Fernsehberieselung). Bedarf nach Sinn(-entwürfen) ist nämlich durchaus vorhanden. Vgl. Esoterik-Boom!
Ich jammere nicht über die Krise, sondern sehe in ihr eine Chance zu Umkehr und Neubesinnung.
MfG am Fronleichnamstag, an dem die Katholiken offensiv (mit der Monstranz – monstrare = zeigen – in den säkularisierten Straßen dem Leib und Blut Christi gedenken, TN
P.S. „Leib“ ist weit mehr als Körper. Es geht also in der Kommunion nicht um Leichenschmaus, sondern um Beziehung zu IHM, dem HERRN, dem Alpha und dem Omega. Der Leib schließt alle Beziehungen eines Menschen in seinem Leben und darüber hinaus mit ein.