"Berliner Republik" nun voll geschäftsfähig?

Das neue Deutschland, die sogenannte "Berliner Republik", vereint geboren Anno 1990, wurde heuer "volljährig" und damit voll geschäftsfähig.

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Aber ist die Republik angesichts von immer noch sechzehn Bundesländern wirtschaftlich wirklich fit für die Zukunft Europas und der globalisierten Welt? Müsste nicht endlich eine Neugliederung des Bundesgebietes – mit Integration der unnütz kostentreibenden Behördenapparate in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sowie dem Zwergstaat Saarland – vollzogen werden?

Zumindest länderüberschreitende Kooperationen der Landesministerien müssten in Angriff genommen werden, um allein schon angesichts einer immer weiter alternden Gesellschaft effizienter zu wirtschaften und Schuldenstände für die nachfolgenden Generationen abzubauen. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem und bei den Landesbanken waren Kooperationen bzw. Fusionen bereits ein Gebot fehlender Finanzmittel. Aber da fürchten Politiker und hohe Beamte wohl um ihre Ämter und Machtposten (Besitzstandwahrung zu Lasten der Steuerzahler).

Und der Bevölkerung wird weiß gemacht, dass sie ihre jeweilige landsmannschaftliche Identität verlieren könnte. Als NRWler kann ich da beruhigen. Auch nach 60 Jahren sind Westfalen und Rheinländer eigenständige Charaktere geblieben. Und die "Ruhries" aus dem einstigen Kohlenpott entdecken auch stetig ihre neu gewachsene Identität. Niemand käme deshalb aber auf die Idee weitere neue Bundesländer zu gründen!

Niemand, der ernsthaft politisch denken kann, wünscht sich Mauer, Stacheldraht und Minenfelder, SED und Stasi zurück. Aber angesichts von Turbo- oder Raubtierkapitalismus muss nach Freiheit (nicht nur für die Wirtschaft) und Gleichheit (vor dem Gesetz) auch an die Verwirklichung der Brüderlichkeit – heutzutage wohl besser Geschwisterlichkeit – erinnert werden.

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Die amerikanische Immobilien- und Finanzkrise, die sich Dank eines gewissen Dollar-Imperialismus (die Wertverluste des US-Dollars möglichst weltweit verteilen) zu einer weltweiten Krise ausweitet, weil nur noch 5 % des weltweiten BIP echte Warenströme ausmachen und 95 % vagabundierendes Kapital sind, wird auch Deutschland, das noch mindestens 20 Jahre an den finanziellen Folgen der Deutschen Einheit zu knappsen hat, auf Jahre beschäftigen. Auch hier lebt man einerseits durch immer mehr Konsumkredite – angeregt durch das Trommelfeuer von Werbung, die dem Götzen Wachstum gehorcht – über seine Verhältnisse, andererseits kummuliert das Kapital (Zins und Zinseszins gepaart mit Spekulationsgewinnen) in den Händen von Wenigen. Die soziale Symmetrie in Deutschland und der Welt gerät dabei aus den Fugen!

Wenn diese wenigen Reichen nun echten vaterländischen Geist besäßen (einige von ihnen wissen mit den Begriffen Wirtschaftsethik und Verantwortungselite durchaus etwas anzufangen!), dann unterstützten sie in unserer postmateriellen Gesellschaft Stiftungen für Kultur und Bildung, für Gesundheit und Altenpflege. Dann würden sie zum Wohle aller (siehe Artikel 14, Absatz 2!) in umweltschonende Energien und Landschaftspflege (nicht der politischen und unternehmerischen!) und in gemeinnützige Genossenschaften zur Daseinsvorsorge investieren. Warum wird z.B. der öffentliche Nahverkehr nicht so organisiert?

Vielleicht bekäme dann unser liebenswertes, landschaftlich reiches Vaterland auch wieder mehr Kinder, ein Indikator für Vertrauen und Zukunftsfähigkeit.

Über Thomas Nolte

64 Jahre alt, DE-47447 Moers Lehrer am Gymnasium Adolfinum in Moers Fächer: Katholische Religion und Sozialwissenschaften Besondere Interessengebiete: Open-Data; Wissensmanagement (Wikimedia)
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